Neuropsychologische Testung

Schon gehört? Du wirst blöd.

Bei anhaltend hohem Hirndruck verlierst du womöglich das Erinnerungsvermögen, hast Schwierigkeiten dich zu orientieren und vielleicht leidet sogar dein Kurz- oder Langzeitgedächtnis.

Mir geht es so.

Mein Name ist Manuela. Ich bin Anfang 2013 diagnostiziert worden und leide seit dem sehr unter PTC. Angefangen hat es mit Sehstörungen und starken Kopfschmerzen. Mit den Jahren wurde es mal besser, mal schlechter. Besonders um “die Tage” herum glaube ich wird es schlimmer. Heute schreibe ich Euch aber mal, was mir in den lezten Monaten passiert ist, weil meistens zu kurz kommt, welche Auswirkungen der Hirndruck noch haben kann. Es geht um das langsame Verblöden.

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Ich hatte wieder Druck im Kopf. Die letzte Lumbalpunktion war kaum vier Wochen her. Druck von 50 – so eine Scheiße! Dann noch die Chefin, die mich ständig nervte, weil ich nicht arbeiten gehen konnte. Nun, die Kündigung war auf dem Weg. Na super! Aber okay, damit war am Ende sogar zu rechnen. Mein Antrag auf Schwerbehinderung war immer noch nicht durch, der Antrag auf EU-Rente zwar angenommen, aber die wollten mir stattdessen eine Psychotherapie aufdrücken. Noch mehr Druck.

Plötzlich fehlt was

Ich konnte mich innerhalb von Wochen nicht mehr an Dinge erinnern. Kein Name fiel mir ein, die Gesichter der Leute kamen mir nur schemenhaft bekannt vor. Mit dem Auto fuhr ich (trotz meines Navis) immer eine Straße zu früh oder zu spät ab. Wenn mein Freund mir erzählte, wir haben dies oder das gemacht, dann war ich mir vollkommen sicher, er spinnt. In meiner Erinnerung war es komplett anders. Ich fand und finde heute noch nichts mehr wieder. Selbstzweifel kommen auf.

Bin ich noch da oder schon auf dem Weg in die Demenz?

Verängstigt machte ich einen Termin beim Neurologen, der sich keinen Reim auf meine Ausfälle machen konnte.
“An der Dosis Diamox gibt es nichts zu schrauben mit Ihren Werten” war die Kernaussage. Kurz vor der Tür rief er mich zurück:
“Frau Ritter, was halten Sie davon, wenn ich Sie mal zu einer Neuropsychologischen Testung schicke?”
“Neuro-waaas?”

Er erklärte mir, dass meine Befürchtungen bzgl. einer Therapie unbegründet seien. Es ginge bei der Testung darum, meine Hirnleistung auf vielen Ebnen mit wissenschaftlichen Methoden zu überprüfen und zu verifizieren, ob der Pseudotumor cebrebri wirklich Auslöser für meine mangelnde Hirnleistung sein kann und vor allem, was er schon zerstört hat.

Hast Du mal ‘nen Termin?

Im Internet findet man kaum gute, professionelle Praxen von Neuropsychologen, die diesen Test anbieten. Ich hatte nun wirklich jeden angerufen, doch Termine bekommt man meistens erst nach langer Wartezeit zugewiesen.

Der Zufall hilft mir, und das Glück.

Die beste Praxis für Neuropsychologie in meiner Nähe konnte kurzfristig einen abgesagten Termin mit mir besetzen. Dafür hätte ich sogar Geld bezahlt, weil ich keine Lust hatte mich monatelang auf Wartelisten rumzutreiben. Sie hatte zudem auch unter Fachärzten einen ausgezeichneten Ruf, darum bezeichne ich die 65 km Fahrstrecke als “in der Nähe”, also nicht wundern bitte.

Die Testung läuft

  1. Alles begann mit einem ca. 50-minütigen Vorgespräch mit der Neuropsychologin. Sie fragte mich viele Dinge über meinen gegenwärtigen Zustand. Wer mich kennt, der kann sich lebhaft vorstellen, wie ich mich über die Ärzte im Krankenhaus aufgeregt habe. Sorry Leute!
  2. Am nächsten Tag musste ich viele, sehr unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Die Testerin las mir haufenweise Wörter vor, die ich anschließend wiedergeben sollte. Weit war ich nicht gekommen. Keine Ahnung wie viele Wörter ich gehört hatte, bei mir blieben nur wenige hängen, davon waren ein paar sogar falsch. Diesen Test wiederholte sie mit mir mehrfach auch zwischen den anderen Tests und am folgenden Tag.
  3. Zahlen merken ging. Vorwärts von drei bis acht Zahlenreihen merken hatte mich wenig beeindruckt. Von rückwärts nach vorwärts aufzählen klappte ebenfalls gar nicht mal so schlecht. Ein paar kleine Fehler waren wohl okay für die Testerin.
  4. Am Computer musste ich immer wieder Wechselaufgaben erledigen. Mal musste ich Formen, mal Farben, mal Töne zuordnen. In einigen Tests sogar alles zusammen, jeweils bestätigt durch einen Tastendruck. Für mich fühlte sich das chaotisch an. Ich war richtig langsam, kam kaum hinterher, verwechselte die Tasten ständig und jeder Wechsel innerhalb der Aufgabe entlockte mir mehr Fehler als richtige Eingaben. Katastrophe!
  5. Einen kleinen blauen Würfel sollte ich aus hölzernen Bausteinen zusammenbauen. Gefühlt war ich damit 10 Minuten beschäftigt, weil nur eine Seite der Bausteine tatsächlich blau war.
  6. Auf einem Brett waren wild angeordnet kleine Buttons, auf denen die Testerin mit dem Finger ein Muster tippte. Ich sollte dieses Muster nachtippen. Super dachte ich, so einfach. Je mehr sie tippte, desto weniger konnte ich mich erinnern. Auch hier versagte ich mit der Zeit immer mehr.
Anmerkung der Redaktion:Mehr Informationen zur klinischen Neuropsychologie und den Testverfahren auf Wikipedia.org

An alles kann ich mich nicht mehr genau erinnern, aber nach drei Terminen mit jeweils 100 Minuten intensiver Testung war ich komplett raus. Mich hatte es jedes Mal so erschöpft, dass ich zuhause einfach nur in mein Bett gefallen und sofort eingeschlafen bin.

Die Auswertung

Wenn ich dachte, nach der neuropsychologischen Testung bekomme ich meine Ergebnisse gleich mit nach Hause, hatte ich mich aber getäuscht. Zwei Wochen musste ich auf meinen Termin warten!

Die Psychologin aus dem Vorgespräch erklärte mir noch einmal die Ergebnisse, die in vielen Dingen ganz gut waren. Doch wie immer kommen die schlechten Nachrichten zum Schluss. Meine Hirnleistung ist, gemessen an meinem Alter (ich bin gerade 31 Jahre alt geworden), so schlecht im Bezug auf das Erinnerungsvermögen, die Merkfähigkeit und die Schnelligkeit auf Wechselaufgaben zu reagieren, dass ich ihrer Meinung nach dringend weiter untersucht, aber mindestens in eine neurologische Reha gehöre.

OMG! In eine Rehabilitationsklinik. Mit 31 Jahren!

Völlig geplättet von diesen Ergebnissen hatte ich gehofft, wenigstens meine Unterlagen einpacken und zum Neurologen gehen zu können. Weit gefehlt. Erst zwei Monate später bekam ich den Abschlussbericht per Post mit allen Diagrammen zu den Einzeltests. Es zu hören ist das Eine, es aber dann schwarz auf weiß zu sehen, ist noch einmal eine ganz andere Geschichte. So niedergeschlagen war ich lange nicht mehr. Ich war richtig depressiv.

Ergebnis

Um es kurz auf den Punkt zu bringen:

  • schwere Störung der kognitiven Flexibilität;
  • Störung der Aufmerksamkeitskontrolle;
  • “Besonders im Verbalgedächtnis liegt bei ihr eine schwere Gedächtnisstörung vor.”
  • “Frau Ritter kann aufgrund erheblich eingeschränkter Erinnerungsleistungen von einer Verhaltenstherapie, einer tiefenpsychologischen Psychotherapie oder Psychoanalyse nicht profitieren.”
  • “Die Patientin ist psychisch sehr stark belastet.”
  • Depression

Maßnahmen

  • sofort neuropsychologische Behandlung in einer Reha-Klinik
  • weitere Diagnostik durch Neurologie und Hausarzt

Seit dem war ich bei vielen Untersuchungen. Die Diagnose bleibt. Ich habe PTC, sonst bin ich “gesund”. Eine Reha-Klinik suchen wir gerade, die mich aufnimmt. Hier scheitert es momentan daran, dass ich ungerne gleich bei uns um die Ecke in eine Klinik möchte, sondern lieber mal etwas Abstand von allem brauche und weiter weg behandelt werden will. Hey! Wenn schon, dann mit allem Komfort 😉

Danke, dass ihr die Erfahrung mit mir teilt.

Lieber Pseudotumor cerebri, wenn du das liest:

Leck mich am Arsch!

Anmerkung der Redaktion:Dieser Erfahrungsbericht wurde uns dankenswerterweise von einer 2013 an Pseudotumor cerebri erkrankten Frau aus Süddeutschland zur Verfügung gestellt. Wir veröffentlichen den Text ungekürzt und inhaltlich unzensiert. Die Rechtschreibung wurde mit Genehmigung der Einsenderin bearbeitet. Der Nachname wurde redaktionell geändert.

1 thought on “Neuropsychologische Testung

  1. Nadin Achenbach Reply

    Hallo
    Das ist super geschrieben.
    Ich leide selber unter dieser Erkrankung und bin seit letztem Jahr September mit einem Shunt versorgt .

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